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Erinnerung an das Schicksal von jüdischen Familien
 
Zur Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Familien Löwenstein und Frenkel wurden am 08. Februar 2018 Stolpersteine in der Bahnhofstraße in Wabern verlegt.
 
Im Beisein von knapp 60 Zuschauern wurden die Steine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig im Gehweg vor den Grundstücken verlegt, auf denen die Häuser standen, die von den jüdischen Familien ehemals bewohnt wurden.
    
 
 
 
          
 
 
 
 
 
       
 
 
 
 
Künstler Gunter Demnig                                     
 
Die Innitiative zur Verlegung der Stolpersteine wurde vom Waberner Geschichts- und Kulturkreis mit ihrem Vorsitzenden Manfred Uchtmann und dem Waberner Lehrer und Historiker Thomas Schattner initiiert. Mit der Verlegung der Stolpersteine wird an das unendliche Leid und Schicksal der jüdischen Familien, die auch in Wabern unter dem Terror der Nationalsozialisten leiden mussten, erinnert.
 
 
 
 
6 Steine wurden für die Familie Löwenstein und 4 Steine für die Familie Frenkel verlegt.
 
                                             
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
                     Familie Frenkel
 
 
 
 
 
 
Familie Löwenstein
 
 
 
Umrahmt wurde die Verlegung der Stolpersteine von Deborah Tal-Rüttger von der jüdischen Gemeinde Felsberg, die das Kaddisch-Gebet spricht und von Thomas Kirchhofs, der auf der Klarinette Klezmer-Musik spielt.
 

Deborah Tal-Rüttger, Jüdische Gemeinde Felsberg                           Thomas Kirchhofs beim spielen der Klezmer-Musik
liest das Kaddisch-Gebet                                     

 

 

 

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Ansprache von Herrn Bürgermeister Claus Steinmetz anlässlich der Verlegung der Stolpersteine in der Bahnhofstraße Wabern:
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
mit der heutigen Verlegung der Stolpersteine setzt die Gemeinde Wabern die vor vielen Jahren begonnene Erinnerungskultur fort. In unserer Gemeinde gab es jüdische Gemeinden in Hebel und Falkenberg und auch jüdische Familien hier in Wabern. In Falkenberg wurde mit einem Gedenkstein an den Standort der ehemaligen Synagoge erinnert.
Diese Synagoge wurde im Jahr 1938 in der Reichsprognomnacht stark beschädigt und wenige Monate später auf Befehl der nationalsozialistischen Machthaber abgerissen. Spätestens nach dieser Nacht konnte niemand mehr sagen, dass ihm nicht bewusst sei, welche unmenschliche Grausamkeit hinter der nationalsozialistischen Ideologie steckte.
 
Alle Verfolgten der braunen Diktatur eint eines:
Sie waren ohne irgendeinen Zweifel Opfer einer menschenverachtenden Ideologie. Menschen, die in irgendeiner Form anders waren, anders glaubten, anders liebten, waren Ziel eines unbändigen entfachten Hasses, den man auch Menschen in seiner Nachbarschaft nicht zugetraut hätte.
Das damalige Deutschland hat sich versündigt an all jenen, die in die Gaskammern nach Treblinka und Auschwitz gehen mussten oder deren Wege sich im Ghetto Theresienstadt oder Riga verloren. Wenigen gelang es, sich aufgrund des herannahenden Unheils zu retten, indem sie durch eine frühe Emigration dieses Land, das auch ihre Heimat war, verließen.
 
Mit diesen Stolpersteinen wollen wir an das Schicksal von Menschen erinnern, die ein Teil dieses Ortes, ein Teil dieser Gemeinschaft waren und die doch gehen mussten. Hierzu zählten auch die Familien Frenkel und Löwenstein. Soviel von ihnen mussten sterben. Sie sollen zum Nachdenken anregen, aber uns nicht stolpern und aus dem Tritt kommen lassen in unserer Beharrlichkeit, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz gegenüber allen Menschen, die in diesem Land ihre Heimat oder Schutz gefunden haben, einzutreten.
 
Das was mit viel Leid und mit Opfern erkämpft wurde und aus den Erfahrungen der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 auch die Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland bewegt hat bei der Erarbeitung unseres Grundgesetzes, sollte uns weiterhin eine Verpflichtung sein, sich gegen den schleichenden Prozess der Ausbreitung politisch radikaler Thesen entgegenzutreten.
 
Für die Initiierung dieses Projektes danke ich ganz besonders dem Geschichts- und Kulturkreis Wabern, seinem Vorsitzenden Manfred Uchtmann und Herrn Thomas Schattner, der mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit in unserer Region viel für die Erinnerungskultur getan hat.
 
Herzlichen Dank auch Herrn Gunter Demnig und seinen Mitarbeitern, die am heutigen Tage hier in Wabern vor den ehemaligen Wohnhäusern Frenkel und Löwenstein mit der Verlegung der Stolpersteine ein Zeichen für Toleranz, Menschlichkeit und das Nichtvergessen setzen.